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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Der VerhandlungsHaka

Aotearoa, Neuseeland, dieses wundervolle Land. So unsagbar viele wunderbare Gegenden erschließen sich.., doch nein, dieser Text soll nicht zur Huldigung eines meiner absoluten Lieblingsreisezieles werden, vielmehr möchte ich einen Brauch der Maoris hier in den Mittelpunkt der Überlegungen stellen. Den Haka.

Der Haka ist ein furchteinflößender Tanz, welcher dem Gegenüber seine Vernichtung in möglichst einschüchternden Gesten in Aussicht stellen soll, um schon von Vorneherein die Machtverhältnisse zu klären. Ich bin stark und werde Dich vernichten.

Persönlich durfte ich den Haka bereits 2-mal erleben. Einmal in Waitomo, wo eine Gruppe von jungen Maori jene Gruppe mit der ich damals das Land bereisen durfte traditionell begrüßte, einmal gemeinsam mit meinem Bruder, als die mir Ehre in Rotorua zuteilwurde, als Gast dem Maoristammesvertreter entgegen zu treten.

Oberste Regel beim Haka ist es für den „Feind“, sich nicht einschüchtern zu lassen, oder auch durch die für europäischen Verhältnisse teilweise absurd wirkenden Gesten nicht amüsiert zu wirken. Hier die Contenance zu verlieren würde eine große Beleidigung des Gegenübers bedeuten.

Ich hatte also die Ehre und empfing als Zeichen der Wertschätzung einen Silberfarn vom Maorivertreter.

Was aber hat diese Erzählung mit meiner Tätigkeit in der Mediation oder in der Familienberatung zu tun? Immer und immer wieder höre ich Geschichten in denen Sätze wie „Du hast ja keine Chance“ oder „ich mach Dich fertig“ vorkommen. Auch „ich nehm Dir die Kinder weg“ oder das diffuse „wirst schon sehen, was geschieht“ schlägt hier in die gleiche Kerbe.
Ja auch hier handelt es sich um mehr oder weniger absichtlich eingesetzte Vorbereitungshandlungen für eine Verhandlung. Der eigene Standpunkt soll einzementiert werden, der Gegner eingeschüchtert und dadurch geschwächt werden. So anders ist die Strategie also auch nicht.

Nun können wir uns ja diese Zeremonie durchaus mit Interesse ansehen und ich ihre rituelle Bedeutung erkennen, so lernt der Betrachter sogar noch durchaus viel über den scheinbaren Aggressor, der sich dem Maori-Krieger gleich gebärdet. Doch lassen wir uns nicht über Gebühr beeindrucken oder gar einschüchtern. Der Kriegstanz der zukünftigen Ex-en ist ebenso wie jener der Maori-Krieger Teil des Rituals und darf auch als solcher gesehen werden. Mit Interesse aber nicht mit Furcht.

Ja mir ist klar, dass so mancher Vergleich im Einzelfall etwas hinkend daher kommen kann, doch zeigt sich schlicht in der Jahrzehnte währenden Beratungs- und Mediationspraxis, dass so manche Rituale durchaus rund um den Globus vergleichbar sind. Möglicherweise erkennen wir ja sogar in der so aggressiven Zurschaustellung des Gegenübers eine seiner Schwachstellen. Es zahlt sich also aus, sich den Haka zu Prozessbeginn auch aus der Warte des kulturinteressierten Reisenden anzusehen, vielleicht finden wir ja die eine oder andere Lücke im System heraus.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Juni 2021 von in Allgemein, Konfliktberatung, Mediation und getaggt mit , , , , , , , .
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