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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Opfer-Täter-Umkehr

 

Heutzutage sind die Rollen nicht mehr so klar verteilt. Gerne werden die Täter zu Opfern, je nach Stimmungslage springen die Verantwortungen Flöhen gleich von links nach rechts und von rechts nach links. So interessant dies zu beobachten ist, so schade wäre es doch, könnten wir aus diesem Bild nicht auch etwas für den (persönlichen und beruflichen) Alltag lernen.

Nein, ich rede nicht davon, dass sich nun der Elefant im Porzellanladen zur kleinen Mücke redet, die dadurch erst recht die scheinbare Berechtigung holen will, ihren infektiösen Stachel zu versenken, im Gegenteil…, ich möchte das Opfer zum Täter machen.
Freilich nicht dem Sinne, dass böse Taten begangen werden, sondern viel mehr, dass vom passiven Leiden ins aktive Tun gewechselt wird. Schließlich stammt der Begriff des „Täters“ ursprünglich vom Verb „TUN“. Nur wer sich auch die Rolle des Aktiven zutraut, kann auch verändern. Nur der Aktive kann verändern. Die passive Rolle mag für den Anfang bequem wirken, doch entstehen Veränderungen nicht in der Passivität, sondern im Tun.
Als Beispiel können hier so manche Nachbarschaftskonflikte dienen. Schließlich fühlt man sich als lärmgeplagtes Opfer eines aktiven Nachbarn doch erst einmal nicht in der Lage, die Situation positiv zu beeinflussen und greift möglicherweise zu scheinbaren „Hilfen“ wie der Polizei oder der Hausverwaltung oder einem gar noch anonymen Schreiben im Postkasten des Nachbarn. Dies wären die Mittel des Opfers, das sich nicht in die starke aktive Rolle traut. Ein offenes Gespräch in einem guten und auf Gleichberechtigung beruhendem Ton wäre ein anderer Weg. Die Argumentation wäre eine andere, wäre nicht aus der Verteidigungshaltung heraus angriffig, sondern nachbarschaftlich und ergebnisorientiert.
Einfach ist dieser Rollenwechsel keinesfalls, doch er ist möglich. Im Rahmen diverser Nachbarschaftsmediationen aber auch anderer Settings, wie Erbschaftsmediation oder Scheidungsthematiken durfte ich diese Transformation der Argumentation bereits erleben. Wechseln wir die Rollen, werden wir in der eigenen Sache aktiv, es fühlt sich einfach gut an und führt im Endeffekt zu einem gleichberechtigten Miteinander aller.

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