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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

einfach nicht wichtig sein

Ja Sie hatten recht! Also Frau O. die einmal in einem von mit angeleiteten Rollenspiel als Mediatorin die Parteien schlicht nur gewähren ließ. Ich weiß nicht, ob sie es aus Ratlosigkeit tat oder aus Kalkül, jedenfalls denke ich gerne an dieses Setting zurück.

Denn auch erst gestern kam es in der Praxis zu einer vergleichbaren Situation: Eine Mediation, welche durchaus einige Zeit an der Kippe stand schien endgültig zu scheitern, wobei ich schon innerlich mit einem Abbruch meinerseits rechnete, ich wollte mich nicht instrumentalisieren lassen. Doch es sollte anders kommen.

Von Anfang an:
Die Eltern waren in einem Gerichtsverfahren gefangen, in welchem Aspekte ihrer Elternschaft geregelt werden sollten. Offenkundig spielten noch einige Schlagschatten aus ihrer Ehe bzw. ihrer Scheidung eine große Rolle, was eine Vereinbarung zur Sicherung des Kindeswohls in weite Ferne zu rücken schien.
Nein, ich wusste erst nicht, wie ich mit den beiden umgehen sollte, zu sehr waren beide darauf bedacht, sich nicht verbindlich festzulegen, sondern sich weiterhin alle Optionen offen zu halten. Scheinbar waren beide von ihren rechtlichen Beratern/Vertretern entsprechend gebrieft. Doch wir arbeiteten uns langsam Schritt für Schritt in vertrauensbildenden Maßnahmen vor. Erst eine vorübergehende Vereinbarung, dann eine Testphase…

Als dann allen Bemühungen zum Trotz erst wieder ein Abbruch im Raum stand, fragte ich schlicht und einfach nach jener Zahl, die für den unterhaltspflichtigen Teil gerade noch akzeptabel wäre. Die Zahl X, welche durchaus unter den Erwartungen des anderen Teils lag kam erwartungsgemäß in die Runde, doch was nun geschah überraschte: Statt des „sicher nicht“ stand plötzlich ein „OK“ im Raum. „OK, wenn…“ und schon wurden exakte Rahmenbedingungen hinsichtlich Betreuung, Überlegungen hinsichtlich der Feiertage und vieles mehr angestellt. Hier konnte ich nur stören, so verschriftliche ich die Stichworte.

Nachdem der hauptsächlich betreuende Elternteil in einem Lehrberuf tätig war, wurde mir auch diese Aufgabe abgenommen und ich konnte die nächsten 20 Min als staunender Beobachter den Parteien beim Verhandeln zuschauen. Ich wurde als Mediator zum staunenden Beobachter, wurde unwichtig. Ein ungewohnter, aber ungemein spannender Zustand.
Die daraus entstandene umfassende Vereinbarung übertraf alle Erwartungen, ebenso wie sich auch das Klima zwischen den beiden Eltern wesentlich verbessert hatte.

Ich liebe meinen Job!

Gelegentlich darf ich an Fachhochschulen oder auch der Wiener Universität vor Studierenden referieren. Groß ist das Interesse, wenn von Praxisfällen die Rede ist. Insbesondere wenn ich davon berichten darf, dass wir als MediatorInnen manchmal auch schlicht nur schweigen sollten. Wir sind dem Ergebnis verpflichtet und sollten diesem nicht im Weg stehen. Selbst wenn wir es vorderhand scheinbar besser zu wissen glauben, selbst wenn wir überzeugt sind, hier einen Beitrag leisten zu können, so ist es nicht an uns, den laufenden Prozess zu unterbrechen. Das Ergebnis gehört den Parteien genau so, wie ihr Konflikt zuvor. Als MediatorInnen ist es unser Job, maximal nur dann einzugreifen, wenn eine sich abzeichnende Vereinbarung grob den rechtlichen Vorgaben widerspräche

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. April 2019 von in Allgemein, Eherecht, Kindesunterhalt, Obsorge, Scheidung und getaggt mit , , , , , , , , .
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