mediationwanderer

Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Ein wahres Schulbeispiel

 

Manchmal werde ich von Bekannten, ehemaligen Medianden oder auch über 5 Ecken nach meiner Einschätzung gefragt und fühle mich dann entsprechend geehrt. In diesem Fall trat ein Bekannter an mich mit der folgenden Schilderung heran:

die Ausgangslage

In einer Schule in Oberösterreich (wobei der Standort keine Rolle spielt und auch woanders gewesen sein könnte) begab sich im Rahmen eines mittäglichen Fußballspieles, dass der Aufsicht habende Lehrer aufgrund eines Konfliktes seine Aufsichtstätigkeit unterbrechen musste und die SchülerInnen einige Zeit unbeaufsichtigt ihrem Schicksal überließ. Als er bereits nach weniger als 10 Minuten zurück kam, bot sich ihm das folgende Bild:

Elfmeter oder nicht?

Aufgrund einer strittigen Spielsituation im Rahmen des Spiels kam es zu einem Streit zwischen 3 Schülern, welche die Frage „Elfmeter oder nicht“ überaus hitzig diskutierten. Der Streit eskalierte dahingehend, dass ein Schüler den anderen in weiterer Folge mit dem Fußball beschoss und ihn un- oder auch absichtlich aber doch im Gesicht traf. Der Lehrer rief daraufhin den anwesenden Schularzt, um die blutende Nase des verletzten Schülers zu verarzten und führe ein mahnendes Gespräch mit dem Schützen.

Der Klassenvorstand

Der Klassenvorstand dieser Klasse wollte es jedoch nicht bei diesem Gespräch bewenden lassen und nahm diesen Fall zum Anlass, sich mit den SchülerInnen zum Thema „Fairness im Sport“ bzw. „Zivilcourage und Verantwortung“ zu unterhalten. Damit sollte einerseits die Stigmatisierung der beiden primär beteiligten Schüler verhindert werden, andererseits auch die Rolle der anderen KlassenkollegInnen beleuchtet werden.

Hier endete die Erzählung und wurde mit der Frage: „Woran soll ich Deiner Meinung denken?“ abgeschlossen.

Die Frage an den Mediator

Mein erster Gedanke war die Gratulation zum Gedanken, aus dieser grundsätzlich unerfreulichen Angelegenheit eine Lehrstunden zum Thema Zivilcourage zu machen, weil die SchülerInnen, wie auch wir alle daraus eine wichtige Lehre ziehen könnten: Gerade in prima facie negativen Ereignissen liegt eine große Chance, für die Zukunft Lehren zu ziehen.
Dem grundsätzlichen Gedanken aus Unerfreulichkeiten zu lernen folgend, riet ich nun, die Geschichte nicht mehr am Einzelfall aufzuhängen, sondern diesen nur als Überleitung für eine Grundsatzdebatte auf der Metaebene zu sehen. Beispiele für die Wichtigkeit von Zivilcourage stehen bekanntlich Legion. Begonnen von jenen, die sich zu Lebzeiten der Großelterngeneration auch nur im Kleinen gegen die Nazi-Diktatur stellten bis zu Fahrgästen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, welche bei Beschimpfungen von Randgruppen für jene Partei ergreifen. Auch in Onlinemedien strahlen immer öfter Beispiele der Zivilcourage auf, wenn sich einzelne Poster gegen wütend geäußerte Schimpftiraden („Hatespeech“) stellen und zu besonnener Sprache aufrufen.

Ein Projekt

Dieses Bild vor Augen könnte der Vorfall in der Schule zum Anlass eines Schul- oder Klassenprojektes werden, wie die Verantwortung der Klassengemeinschaft, aber auch jedes einzelnen ihrer Glieder gestärkt wird. Zu vermitteln, dass selbst die vermeintlich Schwachen stark werden können, indem sie eine mahnende Stimme erheben, indem sie hinterfragen, ob die Beleidigung der anderen nötig sein muss. Untersuchungen zeigen auch, dass die verständliche Befürchtung, durch Unterstützung der Schwachen selber zum Opfer zu werden in der Regel ungerechtfertigt ist. Vielmehr wird auch im Klassenkontext bzw in der Peer-Group das Engagement insgesamt positiv angerechnet und stärkt somit das Standing innerhalb der Gruppe. Wenn darüber hinaus auch ein wichtiger Schritt dahin unternommen wird, dass der grundsätzliche Umgang mit Konflikten in der Gemeinschaft verändert werden kann, profitiert im Endeffekt jeder davon. Insbesondere auch die auf den ersten Blick Schwachen der Gruppe.

Schwerter, Steine und Hürden

Wir können den Spruch, welcher bei der Statute der Vereinten Nationen in New York verewigt ist, somit Wirklichkeit werden lassen und „Schwerter zu Pflugscharen“ schmieden. Oder eben Unerfreulichkeiten nutzen, um daraus zu lernen. Jene Steine, die uns andere in den Weg legen, nehmen wir somit auf und bauen Brücken über die Konflikte. Absurd? Ja das ist es wirklich. Aber weit weniger absurd, als sich von jenen, die es nicht so gut mit uns meinen einbremsen zu lassen. Sie stellen uns immer wieder Hürden in den Weg, weil sie denken, dass sie uns damit abhalten. Doch, was ist eine Hürde anderes als ein Trainingsgerät? Nutzen wir sie, um in unserem Sport besser zu werden. Und unser Sport heißt Leben.

Für Fragen oder Gedanken stehe ich auch unter uw@mediation-wanderer.at oder www.mediation-wanderer.at zur Verfügung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: