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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Die fehlenden Scheuklappen der Mediation

 

Recht regelt, Normen orientieren sich an dem, was die Mehrheit der Gesellschaft im Rahmen der Gesetzgebung als solches normiert.
Nicht nur, aber insbesondere im Bereich des Ehe- und Scheidungsrechts ist ein Abweichen der Lebensnormalität von den strengen Regeln des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches und des Ehegesetzes gut zu beobachten. Insbesondere weist ja § 460 in den Ziffern 7 und 10 auch darauf hin, dass Lebenswirklichkeiten wie die Versöhnung der Ehegatten und auch die Möglichkeit, die einvernehmliche Scheidung als letzte Ausfahrt vor einem Rosenkrieg zu nehmen durchaus erwünscht sind. Beide, Versöhnung und einvernehmliche Scheidung stellen in weiterer Folge den Konsens und das Gespräch vor die Suche nach Schuld, Scheidungsgrund  und Beweismitteln.

Während die Scheidungsklage, sollte dieser Weg auch nach der Negation der letzten Ausfahrt weiter beschritten werden (was nach der aktuellen Statistik in ca 13 % aller Scheidungen der Fall ist), mehr oder weniger unweigerlich zu einem teils kostenintensiven und aufreibenden Beweismittelverfahren und dann zu einem Urteil führt, in welchem die Ehe entweder aus gleichteiligem oder überwiegend/alleinigem Verschulden eines Ehegatten geschieden wird, ist der Weg danach noch immer nicht frei in eine rosenkriegsfreie Zukunft.
Vielmehr muss dann erst noch das eheliche Vermögen getrennt werden. Dieses läuft entweder (endlich)konsensual im Rahmen eines Vergleiches ab, oder kann erst recht mittels Teilungsklage, Schätzung, Versteigerung und Aufteilung der Verkaufserlöse geschehen. Zugegebenermaßen trifft dieses Schicksal nur bei weniger als 5% aller Scheidungen zu, doch immerhin…

In allen anderen Fällen bietet die Suche nach einer selbstbestimmten Lösung weit mehr Möglichkeiten als das gerichtliche Procedere.

Während im Gerichtsverfahren Stehsätze wie: „Geschenktes und Ererbtes, sowie in die Ehe eingebrachtes Vermögen unterliegt NICHT der Aufteilung nach der Scheidung“ wichtige Anhaltspunkte sind, so schränken die gleichen Annahmen in der konsensorientierten Mediation die Möglichkeiten der Medianden nur unnötig ein.

Ein gutes Beispiel aus der Mediationspraxis der vergangenen Monate:
Nach mehreren Jahren Ehe trennte sich ein Paar und beschloss, noch während der laufenden Mediation die Trennung der ehelichen Wohnsitze zu fixieren. Wäre es rein nach den Vorgaben der strittigen Vermögensaufteilung gegangen, so hätte sich der Mann – mangels anderer Möglichkeiten –  eine Mietwohnung suchen, die Kaution und eine allfällige Provision vorstrecken und die monatliche Miete zahlen müssen, was die ohnehin nicht rosige finanzielle Lage der beiden auch zu Lasten der Kinder überspannt hätte.
Eine Erbschaft erweiterte den Pool der Möglichkeiten.
Nachdem die engen Scheuklappen der Vermögensaufteilungsnormen bei der Mediation den Möglichkeiten des Konsenses weichen, bot die Frau dem Mann an, vorerst das freigewordene Haus, welches den Großteil der Erbschaft bildete, zu Wohnzwecken zu nutzen. Die Situation konnte auf diesem Wege entspannt werden und die scheidungswilligen zukünftigen Ex-Partner fanden in den getrennten Wohnsitzen ein wenig Ruhe.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Palette an Lösungsvarianten im Rahmen einer Mediation weit größer ist, als es die üblichen Vorgaben des bekannten Scheidungsrechts erwarten lassen.
Ein gewisses Maß an Konsens vorausgesetzt, können beispielsweise Unterstützungen seitens der Schwiegereltern ebenso in die Aufteilungsmasse einbezogen werden, die ererbte aber seitens des einen Ehegatten ungeliebte Gegenstände (Kunstwerke etc).

Sogenannte Ressourcenkonflikte zeichnen sich dadurch aus, dass scheinbar begrenzte Mittel auf einen bestimmten Personenkreis aufgeteilt werden sollen, wobei die Interessen der einzelnen Beteiligten scheinbar keine für alle gleichzeitig als fair empfundene Lösung zuzulassen scheinen.
Abhilfe kann hier einerseits ein vorsichtiges Zurechtstutzen der Erwartungshaltung der Parteien sein, oder andererseits vielmehr eine Erweiterung der vorhandenen Mittel.
So können scheinbare finanzielle Notlagen durch Kenntnis der diversen Sozialtöpfe abgefangen werden, können juristisch gut formulierte Vereinbarungen oftmals auch den wahren Willen der Parteien festhalten. Oder, es werden eben jene Vermögensbestandteile, die vordergründig der Verfügung im Rahmen der Scheidung entzogen sind (weil dies ja in den diversen Ratgebern so zu lesen steht…) schlicht in die Lösung hinein geholt, um eine nachhaltige, von beiden Parteien gewünschte und vor allem als fair empfundene Basis für die Zukunft zu schaffen.

Ebenso können grundsätzlich auch mit einem gewissen Maß an Kreativität die passenenden Regeln für Unterhalt- Kontaktrechts– und andere Vereinbarungen getroffen werden.

Dies gelingt, wenn die Erfahrung über die Erstarrung des Kaninchens vor der Paragraphenschlange hinweghilft und ein gewisses Maß an mediativ-juristischer Kreativität die Parteien zu einer guten (und freilich im Endeffekt auch juristisch haltbaren) Formulierung begleitet.

Mehr dazu unter
www.mediation-wanderer.at
oder auch
www.erbschaftsmediation.at

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