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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Sachwalterschaft bzw. (doch vorerst nicht Erwachsenenschutzgesetz) und Mediation

 

Erwachsenenvertretung und Mediation

Die seitens der Türkis-Blauen Regierung in letzter Sekunde gekippte Novellierung der Erwachsenenvertretung (früher Sachwalterschaft) hätte so manche Neuigkeiten mit sich gebracht. Der Grundtenor der Novelle war die Stärkung der Selbstverantwortung der betroffenen Person, welche nun nicht mehr (um mit dem veralteten Begriff zu sprechen) „entmündigt“ worden wäre, sondern vielmehr im Einzelfall nach Bedarf unterstützt hätte werden sollen.

So wäre durch das neu eingeführte Instrument der gewillkürten Erwachsenenvertretung, welche zeitlich zwischen der Erstellung einer Vorsorgevollmacht und der vom Gesetz ermöglichten Vertretung naher Angehöriger eingeschoben hätte werden sollen, der zu vertretenden betroffenen Person ermöglicht worden, bereits in einem Zustand, in dem sie nicht mehr über die gesamte Geschäftsfähigkeit verfügt, den Wunsch nach einer Vertretung rechtsverbindlich zu fassen.

Die betroffene Person sollte in jenen Angelegenheiten unterstützt werden, in denen sie Unterstützung benötigt, sie hätte jedoch weiterhin jenes besorgen können, wo sie ohne fremde Hilfe ein selbstbestimmtes Leben weiterhin führen kann. Sohin wäre die Vertretung immer das gelindeste, quasi das minimalinvasivste Mittel der Unterstützung geworden.

Welche Möglichkeiten bietet nun die Mediation in diesem Bereich, selbst wenn die geplante Novelle vorerst verhindert wurde?

Nachdem der betroffenen Person ein größerer Spielraum als bisher eingeräumt worden wäre, kann es zu unterschiedlichen Ansichten bezüglich es Wohls der Vertretenen kommen. Aufgrund der geplanten, jedoch nicht verwirklichten Steigerung der Autonomie der betroffenen Personen wären in manchen Fällen Konstellationen denkbar gewesen sin denen der/die VertreterIn eine Handlung im besten Wissen und Gewissen im Sinne der betroffenen Person gesetzt hätte, mit der jene aber nicht einverstanden gewesen wäre. Aufgrund des doch weiterbestehenden Abhängigkeitsverhältnisses wäre es hier zu Emotionen gekommen, welche eine sachliche Klärung der Angelegenheit erschwert hätte. Hier hätten die Tools der Mediation gute Dienste geleistet.
Allfällige Einwände bezüglich der Mediationsfähigkeit der betroffenen Person wären zwar vordergründig verständlich, wenngleich nicht immer unwiderlegbar. So beschrieb Elmar Türk in seinem Beitrag zum „Handbuch Mediation[1]die speziellen Anforderungen an MediatorInnen bei der Arbeit mit Menschen in extremen psychischen Zuständen und zeigte Mittel und Wege auf, um auch in diesen Fällen eine nachhaltige und zielführende Lösung zu finden.
Verständnis und Einfühlungsvermögen sind hier besonders wichtige Stichworte, um dem Wohl der betroffenen Person bestmöglich zu dienen. Die Empathie der MediatorInnen, gepaart mit der beruflichen Praxis und der fachlichen Kenntnis der Materie hilft, dieses Ziel am Wege des Konsens zu erreichen.

Ungeachtet der Entscheidung der Regierung, das zum 1.7..2018 geplante Erwachsenenschutzgesetz nicht in Kraft treten zu lassen, bieten die Möglichkeiten der allparteilichen und empathischen Mediation auch im Rahmen der Sachwalterschaft weiterhin gute Dienste. Schließlich geht es weiterhin um das Wohl der betreuten Personen.

 

[1] Hrsg Wanderer, erschienen im WEKA Verlag

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. Februar 2018 von in Allgemein.
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