mediationwanderer

Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Qualitätsmaßstab einer Scheidungsmediation

Der Versuch, im Rahmen einer Mediation den anderen Teil über den Tisch zu ziehen und so einen subjektiv empfundenen Vorteil zu erlangen ist…. legitim.
Aber nicht zweckmäßig und schon gar nicht zielführend.

Nehmen wir das Beispiel einer Scheidungsmediation her, bei welcher ein Teil entweder bezüglich des nachehelichen Unterhalts, der Vermögensaufteilung oder der Nutzung des ehemals ehelichen Wohnsitzes eine für ihn positive, jedoch für den anderen Teil nachteilige Vereinbarung ausverhandelt. Die Freude währt nur kurz. Kommt nämlich der andere Teil auf die (und sei es nur subjektiv empfunden) unfaire Lösung, so wird er sich in so mancher anderen Frage in Zukunft moralisch nicht an die Vereinbarung gebunden fühlen.

So verständlich und menschlich nachvollziehbar es also auch ist, sich bei der Scheidungsfolgenvereinbarung, bei der Trennung der Lebensgemeinschaft oder bei sonst einer Vereinbarung, welche die Möglichkeit in sich birgt, dem zukünftigen Ex-Partner wieder zu begegnen, diesen durch eine schlaue Verhandlungsfinte über den Tisch zu ziehen……, es rächt sich früher oder später.
Entweder leiden die Kinder unter der Missstimmung desjenigen Elternteils, der objektiv oder subjektiv schlechter ausgestiegen ist, wenn sie nicht überhaupt lange Jahre von den negativen Eigenschaften des anderen Elternteils hören müssen, oder es werden schlicht vereinbarte, ja sogar rechtkräftige Abmachungen nicht eingehalten. Verträge werden angefochten, Raten nur eingeschränkt überwiesen, der Unterhalt ständig neu berechnet.

Daher ist es die Aufgabe des Mediators nicht auf die schnelle Zufriedenheit der Medianden zu schauen, sondern einen langfristigen Blick zu haben. Langfristig darauf zu achten, dass die geschlossenen Vereinbarungen auch jene Prüfungen überstehen, die erfahrungsgemäß auf sie zukommen. Kinder werden älter und ihre Anforderungen ans Budget massiver. Den Kindern ist im Endeffekt nicht primär wichtig, welcher Elternteil den Schikurs und die Anmeldung für den Sportclub bezahlt, sondern vielmehr, dass es erledigt wird und die Kinder daher nicht über die Häme der Klassenkollegen an den Nachscheidungsquerelen der Eltern Schaden nehmen müssen. Hier gibt es keinerlei Richtschnur außer der Erfahrung des Mediators, keine Anleitung außer seinem oder ihrem Bauchgefühl. Die Erfahrung lässt Fragen stellen, lässt die Antwort aus den Augen und der Körpersprache der MediandInnen lesen. Manchmal helfen hier auch Interventionen des Mediators, manchmal aber stören sie auch. Achten wir grundsätzlich auf unser Bauchgefühl, auf unseren Instinkt. Insbesondere wenn der Mediator die ehrenvolle Aufgabe übertragen bekommen hat, sich als Fachmann des Prozesses mit dem zukünftigen Lebenskonzept der baldigen Ex-Partner  zu beschäftigen.

Die Richtschnur einer gelungenen Scheidungsmediation sollte keineswegs die Zeit sein, welche von der Unterzeichnung der Mediationsvereinbarung bis zum Einreichen des Scheidungsantrages vergeht. Vielmehr entscheiden jene Jahre über die Qualität der Mediation, welche zwischen der Trennung/Scheidung und dem Eintritt der Kinder ins Berufsleben, dem Abzahlen sämtlicher Verbindlichkeiten oder dem Auftreten neuer Partner im Leben der ehemaligen Eheleute/Lebensgefährten liegen. Unser Ziel als Mediatoren ist das langfristige Wohl unser Medianden. Unsere Erfahrung ist ihre Garantie, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, welche nicht nur die Hürde der richterlichen Überprüfung sondern vielmehr auch jene des Nachscheidungsalltags nimmt.
Ja, es ist ein hoher Anspruch, aber die Arbeit des Mediators ist auch eine herausfordernde und wichtige.

 

Kontakt zum Autor

uw@mediation-wanderer.at

 

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