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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Erbschaftsmediation

Mediation bei erbrechtlichen Belangen

Mediation, die konsensorientierte außergerichtliche Konfliktbelegung unter Beiziehung eines allparteilichen Dritten, des Mediators hat sich in den vergangenen Jahren als Konfliktmanagementmethode etabliert. Mediation unterscheidet sich dabei von den anderen Konfliktbeilegungseinrichtungen wie Gericht, Schiedsgericht, Schlichtungsstellen oder auch Ombudsstelle darin, dass die Kompetenz zur Lösung des Konfliktes nicht an eine dritte, übergeordnete Stelle delegiert wird, sondern der Mediator den Parteien der Mediation (Medianden) als Wegbereiter zu einer Lösung zur Seite steht. Er versteht sich dabei nicht als neutrale Instanz, sondern viel mehr als allparteiliche Unterstützung der Medianden. Allparteilichkeit bedeutet in diesem Kontext, dass der Mediator die Anliegen beider Parteien dahingehend unterstützt, dass er sich nicht auf die trennenden Aspekte, sondern eher auf die Gemeinsamkeiten konzentriert und diese in den Mittelpunkt stellt. Man könnte auch sagen: der Mediator sitzt mit den Medianden auf der gleichen Seite und kämpft mit ihnen gemeinsam (Allparteilichkeit) gegen den Konflikt, der sich oft nur als Missverständnis herausstellt.

Mediationen können sowohl durch einen einzelnen Mediator durchgeführt werden, genau so aber kann eine sogenannte Co-Mediation zweckdienlich sein, in welcher ein Mediatoren-Duo, bestehend aus einer weiblichen Mediatorin und einem männlichen Mediator, oft auch auf unterschiedlichen Stammprofessionen den Konflikt gemeinsam mit den Medianden bearbeitet. Diese Stammprofession kann auch, der Thematik angepaßt unterschiedlich sein. In sowohl rechtlich als auch psychologisch fordernden Materien wie dem Erbrecht kann ein Mediatorenmix, bestehend aus einem/r psychosozialen MediatorIn und einem/r juristischen MediatorIn zielführend sein. Wenngleich die Aufgabe des Mediators ausdrücklich nicht die Rechtsberatung der Medianden beinhaltet (diese sollte extern erfolgen, beispielsweise durch externe Rechtsberatung und/oder Steuerberatung) so ist in einer rechtlich herausfordernden Materie wie dem Erbrecht eine profunde Kenntnis des aktuellen Erbrechts sicherlich von Nutzen, um auch tatsächlich die bestehenden Möglichkeiten des Rechtsbestandes zum Wohle der Medianden zu nutzen.

Im Vergleich zur gerichtlichen Auseinandersetzung bietet die Mediation wie bereits angedeutet ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Lösungsverantwortung für die Medianden. Der Mediator agiert nicht gleich einem Entscheidungsorgan, sondern begleitet die Medianden auf ihrem Weg zur konsensualen Vereinbarung. Unter der Verwendung von Fragetechniken, um die hinter den vordergründigen Problemen liegenden Motive zu erkunden, können oftmals Lösungen erzielt werden, die weit über die ursprüngliche Fragestellung hinaus einen nachhaltigen Frieden schaffen können. Ein weiterer Vorteil der Mediation ist auch die zeitliche Komponente beziehungsweise die Zeitersparnis. . Während Gerichtstermine aufgrund der Auslastung der Gerichte oftmals Monate verstreichen lassen, können Mediationstermine je nach Vereinbarung oft auch wöchentlich vereinbart werden, so dies zweckdienlich ist. Schlussendlich ist auch die Kostenfrage unter anderem aufgrund des Verzichts auf kostspielige Beweisverfahren ein Argument für die Mediation. Durch den Verzicht auf eine außenstehende Entscheidungsinstanz, der man den eigenen Standpunkt plausibel machen möchte, steht bei der Mediation nicht das „recht haben“ sondern vielmehr das gemeinsame Ziel im Vordergrund. Ist dieses erreicht, so geschieht beidem Parteien Recht.

Wann nun kann Mediation im erbrechtlichen Kontext eingesetzt werden?
Während das Erbrecht den Zeitraum von Beginn der Testierfähigkeit bis hin zum Abschluss des Einantwortungsverfahrens regelt, gehen die  möglichen Einsatzgebiete der Mediation  darüber noch hinaus, da Konflikte auch noch nach der Einantwortung aufbrechen können, ihre Wurzel jedoch im Verlassenschaftsverfahren oder noch früher haben können. Beispielsweise kann Mediation im Vorfeld der Testamentserstellung helfen, die Wünsche und Vorstellungen des Erblassers mit jenen der Erben und allfälligen Legatare in Einklang zu bringen. Werden hier die Hoffnungen des Erblassers ebenso klar wie die Bedürfnisse der letztwillig Bedachten in eine letztwillige Verfügung eingearbeitet, können Streitigkeiten im Rahmen des Verlassenschaftsverfahrens verhindert oder jedenfalls reduziert werden.

Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten über www.erbschaftsmediation.at

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Der vollständige Text ist im WEKA Verlag, Handbuch Erbrecht erschienen

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Oktober 2016 von in Erbrecht und getaggt mit , , , , , , .
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