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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Mediation ist Do it yourself

In so manchen Angelegenheiten ist das Schicksal der Menschen sicherlich gut in den Händen der Obrigkeit aufgehoben, sicherlich in mehr Angelegenheiten als man auf den ersten Blick glauben sollte. Dennoch hat der Gesetzgeber vor über 200 Jahren einen weisen Entschluß gefaßt, im Zivilrecht den Grundsatz der Privatautonomie gelten zu lassen. Grundsätzlich wird, in gewissen gesetzlichen Rahmen, der selbstverantwortlichen Vereinbarung zwischen mündigen Vertragspartnern der Vorzug gegeben. Nur dann, wenn sich die Parteien nicht einigen können, oder sich ausdrücklich auf die fachkundige Lösungskompetenz der Parlamentarier in Wien verlassen wollen kommt die rechtliche Vorgabe zum tragen.

Zum ersten sei die Privatautonomie als Wesenselement des Zivilrechts erwähnt. Die Vereinbarungen der Vertragsparteien gehen (außer im Falle des zwingenden Rechts) dem gesatzten Recht vor. So steht es den Lebensgefährten völlig frei, ihre Beziehung selber zu definieren, so ermöglicht und fördert der Gesetzgeber des Jahres 1812 die Ausgestaltung diverser Verträge in schriftlicher oder mündlicher Form. Selbst im Konfliktfall stellt sich das Recht nicht automatisch in die erste Reihe der Entscheidungshilfen. Vielmehr steht der Vergleich, die gütliche Einigung in der Gunst der Gerichte bei weitem an erster Stelle. Im Mietrecht beispielsweise wird im Rahmen der Schlichtungsstelle vorerst auf eine Lösung auf einvernehmlicher Basis hingewirkt, bevor der Richter den gleichen Versuch einem strittigen Verfahren voran setzt. Selbst im Schadenersatzrecht werden Vergleiche über die Höhe des Schadenersatzes beziehungsweise des Schmerzengeldes einem langwierigen und kostspieligem Verfahren vorgezogen. Die Möglichkeit, selbstbestimmt über den Fortgang des Verfahrens bestimmen zu können wird spätestens nach den ersten Erfahrungen im Rahmen eines Prozesses geschätzt.

In der Nachbarschaft führen teilweise jahrzehntelange Versuche, den Rechtsweg um eine abschließende Einigung im persönlichen Rechtssinne zu bemühen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in eine Sackgasse und auch zu einer weiteren Eskalation der Lage. Gerade in Situationen, in denen die Konfliktparteien weiterhin Tür an Tür oder Zaun an Zaun leben, stellen außergerichtliche Lösungen eine Via Regia zum Frieden dar.

Im Eherecht ist die Privatautonomie aufgrund der Besonderheit der Materie besonders gut zu erkennen. Solange es um den höchstprivaten Lebensbereich der Ehepartner geht, hat sich das Recht solange herauszuhalten, solange die Gestaltung des ehelichen Alltags auf Konsens beruht. Keine konsensuale Lebensführung, solange sie nicht die berechtigten Interessen Dritter berührt, berechtigt das Gericht zu einem Einschreiten. Sollte freilich die Freiheit oder die Gesundheit von Außenstehenden, oder noch eher das Wohl eines Kindes gefährdet sein, endet die Gestaltungsfreiheit der Ehepartner. Der kategorische Imperativ Kant´s gilt hier als Leitbild.

Sollte trotz aller Bemühungen die Ehe gescheitert sein, stellt die Möglichkeit der einvernehmlichen Scheidung mit über 85% aller Scheidungen den üblichen Weg in eine getrennte Zukunft dar. Nicht AnwältInnen und RichterInnen entscheiden hier über das Schicksal der Menschen, sondern diese selber. Unterstützt in einem fairen und menschlichen Miteinander im Rahmen der Mediation, in welcher all jene Aspekte angesprochen und geregelt werden, die einen neuen Start in die Zukunft ermöglichen. So kann auch über die rechtliche Notwendigkeit hinaus geplant werden, wenn es den betroffenen Medianden behilflich ist, sich zukünftig gegenseitig wieder offen (beispielsweise auf der Elternebene) begegnen zu können.

Ebenso zeigt auch die gerade brandaktuelle Diskussion zur Unterbringung der vielen Flüchtlinge die Schwächen der obrigkeitlichen Entscheidungsfindung auf. Vielmehr aber gibt es immer wieder private Initiativen, welche sich aus den unterschiedlichsten Motiven um die Unterbringung der Menschen kümmern. Auch hier ist dezentrale Lösungskompetenz abseits der obrigkeitlichen Zwangskultur ein zielführender Ansatz. Die Koordinierung der diversen Wünsche und Bedürfnisse bedarf freilich einer gewissen Übersicht. Hier wird der Unterschied zwischen Neutralität und Allparteilichkeit besonders deutlich. Während sich der neutrale, objektive Beobachter primär um die Dokumentation des Geschehens kümmert, mischt der allparteiliche Unterstützer mitten im Geschehen mit. Nicht auf der einen oder anderen Seite, sondern als Unterstützer der gesamten Idee. Scheinbare Konflikte welche durch von außen geschürte Ängste hereingetragen können im persönlichen Gespräch angesprochen werden. So hat der Mensch, sei er nun in Kärnten, Tirol, Wien oder Aleppo geboren Vorrang vor dem Problem. Der dezentrale Ansatz verspricht weit mehr Erfolg als der von außen und „oben“ aufgesetzte Versuch, durch Verordnungen hinein zu regieren.

So gibt es zahllose Möglichkeiten, das eigene Geschick selbst in die Hand zu nehmen und der Entscheidung durch fremde Obrigkeiten zu entziehen. Die fachkundige und erfahrene Unterstützung eines Mediators ist eine davon. Eine zielführende……..

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