mediationwanderer

Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Wo kein Richter, da kein Kläger

Wo kein Richter da kein Kläger

Wo kein Kläger, da kein Richter, ja freilich so heißt es, oder so wird es zumindest an den Universitäten unterrichtet. Nur wo die eine Partei den anderen als Gegenpartei vor Gericht zitiert, schaltet sich in privatrechtlichen Angelegenheiten die obrigkeitliche Gerichtsbarkeit ein. Ansonsten geht der Staat doch (ob gerechtfertigt oder nicht, bleibt dahingestellt) von der Mündigkeit der BürgerInnen aus, durch Vereinbarungen miteinander auszukommen.

Was aber hat dann „Wo kein Richter, da kein Kläger“ zu bedeuten?
Nun, dieser Ausspruch stammt weder von der Universität, noch aus einem Lehrbuch. Nein, er wurde vielmehr vor kurzem in einer Familienberatungsstelle im Rahmen eines Beratungsgespräches von einem Klienten geäußert. Ehrlich gesagt gehe ich davon aus, dass der betreffende Klient ihn wohl anders gemeint hat, als der Satz schlussendlich dann von mir verstanden wurde, doch war er schlicht und einfach dermaßen prägnant, dass er sich mit eingeprägt hat. Wo kein Richter, da kein Kläger? Bedeutet dies denn, dass die Gerichte die Kläger anziehen? Nun, ja möglicherweise. Ich möchte sogar behaupten, dass die Gerichte die Kläger erst MACHEN. Kein Mensch würde als Kläger auftreten, gäbe es nicht in der institutionalisierten Rechtsprechung die Möglichkeit, auch im Namen der Republik Zustimmung zu erhalten. Man sucht Bestätigung der eigenen Rechtsmeinung, ebenso wie auch die obrigkeitliche Rückenstärkung der persönlichen Moral. Doch wie der Schüler im Rahmen einer Peermediationsausbildung lernt, selber mit Konflikten umzugehen und sie fruchtbringend zu lösen, ebenso wie auch der Mieter im Umgang mit seinen Nachbarn es selber in der Hand hat, für ein positives Mi(e)teinander zu sorgen, so sind jene Lösungsansätze, die den Konflikt auf der zwischenmenschlichen Ebene belassen und eben nicht auf eine Makro-Ebene heben, weit erfolgversprechender. Der Druck von Oben, die strenge Hand des Abteilungsleiters beziehungsweise das rekommandierte Schreiben des Gerichts schafft dahin nur eine vordergründige Ruhe, die auf Furcht begründet ist. Der Konflikt wird nur auf eine andere Ebene verlagert, aber keinesfalls gelöst.

Gut ist daher jener Abteilungsleiter, jener Hausverwalter oder Polizist, Richter oder Hortbetreuer beraten, wenn er im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, den Konflikt zwischen den betroffenen Parteien zu erfassen und dessen Ursprung zu erkunden. Ein Gespräch hilft meistens, den Klageführern zuzuhören, ihnen durch die richtigen Fragen auch einen Weg zu eröffnen, der an der Konfrontation mit dem als Feind empfundenen Gegenüber vorbei geht. Als Erklärung sei hier auch die Glasl´sche Eskalationstreppe beigezogen: …….

Der ganze überarbeitete Text ist im Buch, bzw auch im E-BookMediation ist Do it Yourself“ erschienen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. Mai 2015 von in Arbeitsplatz und getaggt mit , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: