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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit die Zweite

Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit

Nachdem im vorherigen Artikel die diversen Möglichkeiten der Mediation im Dienste der Gemeinde beschrieben wurden, möchte ich  hier nun auf die Aspekte der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit eingehen:

Sparsamkeit

Nun, auf den ersten Blick wäre man ja geneigt zu behaupten: Das kostet ja schon wieder was…! Daher also widerspräche das Einschalten eines Mediators tendenziell sogar der angestrebten Sparsamkeit. Das Gegenteil ist der Fall! Gerade in den erwähnten Fällen der Planung von Gemeindebauten, Umgestaltung im öffentlichen Raum oder auch der Nachbarschaftsmediation im Gemeindebau ist ein nachträglich gerichtlich auszutragender Konflikt kostenmäßig schlicht kaum abzuschätzen. Die Kosten einer Mediation lassen sich hingegen klar berechnen, lassen sich auch pauschalieren, je nach Absprache mit dem jeweiligen Mediator. Angenommene Kosten von  € 400 – 500 für die Schlichtung eines Nachbarschaftskonfliktes stehen dann im Verhältnis zu mehreren tausend Euro, welche für eine gerichtliche Abhandlung zu bezahlen wären. Ohne freilich Aussicht auf eine dauerhafte, nachhaltige Lösung des Konflikts. So gut wie nie hat ein Gerichtsurteil die Nachbarschaft zwischen 2 Parteien verbessert!

Auch die jüngsten Ereignisse im Rahmen der Verkehrsberuhigung in Wien Mariahilf ( -> Fußgängerzone…) haben eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig eine vernünftige Einbeziehung der Anrainer im Vorfeld für die allgemeine Stimmung gewesen wäre. Das Ergebnis – eine Zustimmung der Bewohner zur Fußgängerzone wäre sicherlich nicht in Frage gezogen worden, doch hätte man auf diesem Wege weit positivere Töne gehört, als sie in der Vorbereitung der Befragung den Medien zu entnehmen waren. Angesichts der Kosten der Vorbereitung der Befragung stellt sich die Frage der Sparsamkeit einer potentiellen Mediation wohl kaum….

Wirtschaftlichkeit:

Unter der Annahme, dass die Entscheidungsträger einer Gebietskörperschaft doch über eine Legislaturperiode hinaus planen, lässt sich freilich Wirtschaftlichkeit auch mit „nachhaltiger Effizienz“ übersetzen. Freilich, vermieden werden Konflikte in einem Gemeinwesen wohl nie werden, dieses kann und soll ja auch nicht Ziel einer Demokratie sein. Vielmehr ist es aber zielführend, wenn unterschiedliche Meinungen nicht unreflektiert aufeinander prallen, sondern im konstruktiven Gespräch ein Konsens gesucht wird. So kann einerseits im Planungsbereich eine neue Ressource, nämlich der Erfahrungsschatz der betroffenen Parteien erschlossen, andererseits beispielsweise im Bereich der Nachbarschaftsmediation eine offene Grundstimmung in der ganzen Wohnanlage geschaffen werden. Eine Entwicklung hin zu einer positiven Gemeinstimmung unterstützt beispielsweise auch die Tätigkeit der Hausverwaltung, da sie sich fortan nur noch mit einer abgestimmten und nicht mit unzähligen divergierenden Einzelmeinungen auseinander zu setzen hat. Man kann also die Mediation als Bündelung der Meinungen und somit auch als Methode zur Erschließung einer neuen Ressource betrachten.

Zweckmäßigkeit:

Die Politik als „res polis“, als eben „allgemeine Sache“ ist freilich im Idealfall in erster Linie dem Gemeinwohl verpflichtet. Um hier nicht gegen die Interessen der Betroffenen zu handeln, sondern eben die Wünsche der Bürger in erprobter Art und Weise zu sammeln, zu verdichten und zu präsentieren, stellt die Mediation einen einfachen Weg zur zielführenden Einbindung der Bürger in die kommunalen Entscheidungen dar. Alleine schon die Tatsache, dass die Bürger ernsthaft in die Entscheidungsfindung einbezogen werden, vermittelt ihnen Interesse und Offenheit der Politiker bezüglich der persönlichen Standpunkten der Menschen.

Ähnliches zeigt sich  auch wiederholt im Bereich der Nachbarschaftskonflikte: Wenn größere Hausverwaltungen manchmal schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht jeder Beschwerde unmittelbar nachgehen können, sondern sich vielleicht erst bei der 2. Oder 3. Kontaktaufnahme eingehender mit dem Anliegen auseinander setzen, entsteht bei den Mietern eine nicht unbeträchtliche Frustration. Wird darüber hinaus auch noch eine Erwartungshaltung in die Hausverwaltung gesetzt, die diese auch aufgrund der gesetzlichen Vorgaben einerseits, der gerichtlichen Praxis andererseits nicht erfüllen kann („dem Störenfried sollte der Mietvertrag gekündigt werden…“) steigt dieser Frust noch weiter an. Die Kontaktaufnahme durch den Mediator jedoch gibt den Mietern eine gewisse Eigenverantwortung, das Problem selber im konstruktiven Gespräch zu lösen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, den Nachbarn abseits des üblichen Umfeldes kennenzulernen, was oft neue Perspektiven und Gesprächsthemen ermöglicht. Regelmäßig zeigt sich, dass bereits die Kontaktaufnahme mit den Mietern zu einer Deeskalation im Nachbarschaftskonflikt beiträgt.
Ebenso freilich entspricht es auch der gewünschten Zweckmäßigkeit, wenn die internen Arbeitsabläufe der Entscheidungsträger möglichst friktionsfrei ablaufen. Hier sei wieder auf die Ausführungen zum Thema Arbeitsplatzmediation verwiesen. Auf diesem Wege werden Ressourcen bestmöglich genutzt.

Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit. Was wie ein Wahlslogan einer Partei klingt, stellt das Kriterium des Handelns einer Gemeinde dar. Die neue Generation an Lokalpolitikern und Entscheidungsträgern  ist angehalten, diese Vorgaben nicht nur als Schlagworte für Reden zu missbrauchen, sondern vielmehr auch ins reale Handeln zu überführen. Die Möglichkeiten der Mediation können dabei einen wesentlichen Beitrag zu einer konsensualen, kostengünstigen und bürgernahen Entscheidungsfindung leisten.

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