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Texte zu den Themen Arbeitsplatz, Familie, Nachbarschaft aus der Sicht des Mediators

Gemeindeinterne Mediation im Zeichen von Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit

Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit

Unter diesen Maximen sollte das Handeln der Verwaltungsorgane beurteilt werden können. Ebenso wie auch die Gesamtstimmung der  Entscheidungsadressaten freilich eingebaut werden sollte. Wie aber kann ein hoheitlicher Entscheidungsträger, ein Bürgermeister oder Amtsleiter im Alltag der Gemeindeentscheidungen diesen Vorgaben gerecht werden und gleichzeitig auch noch  den Gemeindebürgern jene Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie sich zurecht erwarten?

Großprojekte

Ein probates Mittel zur Erkundung der Wünsche der Bürger hinsichtlich größerer Projekte ist die Großgruppenmediation. Hier werden durch die Bedürfnisse der Menschen erkundet, gefiltert und auf den Punkt gebracht. Die Erfahrung zeigt, dass selbst in Gruppen mit über 100 Leuten die zentralen Anliegen an einer Hand abzuzählen sind. Freilich bedarf es eines zielgerichteten Verfahrens um die Meinungen der Anwesenden gleichsam heraus zu destillieren, doch hilft hier ein Prozess, der dem Großgruppenmediator bekannt ist. Auf diesem Wege können beispielsweise Sanierungen von Wohnanlagen gemäß der Wünsche der Bewohner geplant, Straßenzüge den Bedürfnissen von Anrainern, Geschäftsleuten und Kunden gemäß gestaltet oder Gemeindezentren für alle Seniorentreffen wie auch Jugendgruppen gleichermaßen konzipiert werden. Freilich  sollte hierbei der Planungsprozess bereits im Vorfeld die betroffenen Bürger im Rahmen einer Mediation einbinden, um in weiterer Folge keine Probleme in Form von erbosten Zwischenrufen mehr zu erwarten. Gibt man den Betroffenen Bürgern rechtzeitig die Möglichkeit, sich in den Planungsprozess einzubringen, so reduziert dies die nachträglichen Probleme in der Regel massiv.

Gemeindewohnungen / Genossenschaftswohnungen

Auch im Bereich der Gemeindewohnungen oder der Wohnungsgenossenschaften hat sich die Mediation bereits als unverzichtbares Instrument erwiesen. Je größer die Wohnanlagen, umso komplexer werden die Bewohnerkonflikte. Während die Hausverwalter primär für das „Funktionieren des Hauses“, die korrekte Abrechnung und die Instandhaltung zuständig sind bzw. gesehen werden, fühlen sich oft die einzelnen Bewohner durch ihrer Meinung nach unzumutbare Lärmbelästigung in der Wohnqualität beeinträchtigt. Entgegen der Erwartung der meisten Bewohner legt die Hausordnung allerdings keine möglichen Sanktionen bei Verstößen gegen die Ruhezeiten oder vergleichbaren Handlungen fest, sondern stellt eher eine Grundsatzcharta für das Zusammenleben dar

Als Bespiel sei die Formulierung von Teilen der Hausordnung zweier Wiener Wohnbaugenossenschaften herangezogen:

Diese Hausordnung hat den Zweck, den Mietern des Hauses ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Dies soll durch die Erstellung von Verhaltensrichtlinien gewährleistet werden, die allen Bewohnern des Hauses weitgehende gegenseitige Rücksichtnahme, Solidarität, Vernunft und Einsicht erleichtern sollen.

 

Alle Hausbewohner bilden gemeinsam die Hausgemeinschaft. Jedes Mitglied dieser Hausgemeinschaft ist verpflichtet, an der Erhaltung einer auf gegenseitiger Rücksichtnahme begründeten guten Zusammenleben mitzuwirken….

Störender vermeidbarer Lärm ist im Interesse aller Hausbewohner grundsätzlich zu unterlassen…

Zweifellos klingen für den Laien die Formulierungen vernünftig und geben scheinbar dem ruhesuchenden Mieter gegen den Störenfried Recht. Im Konfliktfall jedoch bedeuten weiche Formulierungen wie „soll gewährleistet werden“, „weitgehende Rücksichtnahme.. erleichtern sollen“, „an der Erhaltung gegenseitiger Rücksichtnahme mitwirken“ oder „grundsätzlich“ einen erheblichen Graubereich, welcher nur durch den ebenso schwammigen Begriff der „Ortsüblichkeit“ juristisch zu fassen ist. Hier bedarf es in weiterer Folge eines Gutachtens, sohin einer nicht unbeträchtlichen Zeitspanne und eines Nervenkrieges, welcher einem (wie ja angestrebten..) gedeihlichen Miteinander mit Garantie abträglich ist. Der Leser erkennt… einer guten Nachbarschaft förderlich ist eine strikte Bezugnahme auf die Hausordnung zusammen mit einem ausgestreckten Zeigefinger sicher nicht. Viel eher hilft ein moderiertes oder eben mediiertes Gespräch zwischen den Nachbarn, um einerseits Verständnis für das Ruhebedürfnis des einen, andererseits auch Interesse für die Person des anderen Mieters zu wecken. Hier hilft ein begleitetes Gespräch auf neutralem Boden einerseits den Mietern, ein besseres Mi(e)teinander zu gewinnen, andererseits werden freilich auch die Hausverwalter massiv entlastet.  (Siehe in diesem Kontext auch: zur-nachbarschaft/ )

Gemeindeinterne Arbeitsabläufe

Darüber hinaus können freilich auch interne Reibungskonflikte innerhalb des Gemeindeapparates konstruktiv gelöst werden. Genau wie auch im privatwirtschaftlichen Umfeld „menschelt“ es freilich auch am „Arbeitsplatz Rathaus“, gehen wertvolle Ressourcen in persönlichen Kleinkriegen verloren. (Siehe auch http://www.hrweb.at/2013/12/burnout-und-mobbing/ )

Stehen beispielsweise Kompetenzkonflikte einem zweckmäßigen und auch sparsamen Handel der Gemeinde entgegen, so hilft ein Gespräch der Beteiligte mit einem sachkundigen Außenstehenden. Die Sachkunde bezieht sich in diesem Fall auf die Kenntnis der gemeindeinterne Organisation im Rahmen der Gemeindeordnung. Nur in diesem Rahmen besteht die Möglichkeit einer Optimierung der Abläufe.

Die Arbeitsmotivation sinkt, im Endeffekt bleibt eine für alle Beteiligten und insbesondere auch die Gemeindebürger frustrierende Stimmung. Mediation am Arbeitsplatz hilft dabei nicht nur die gemeindeinterne Stimmung zu  heben, sondern auch die Servicedienstleitungen und Angebote der Gemeinde für die Bürger zu optimieren.

Ebenso können entsprechende Instrumente auch im Bereich der ausgegliederten Privatwirtschaftsverwaltung eingebracht werden, so unterschiedlich sind die Konflikte auch in diesem Kontext nicht….

Mediation, sie ist und bleibt alles andere als ein Wundermittel, doch stellt sie ohne Zweifel einen erfolgreichen Weg zur Optimierung von Abläufen dar. Gerade im öffentlichen Bereich, in dem das Handeln der Gebietskörperschaft auch durch Aufsichtsbehörden und Verwaltungsgerichte an eindeutigen Vorgaben evaluiert wird, sollten grundsätzlich auch alle Instrumente genutzt werden, um Reibungsverluste zu vermeiden und das Klima innerhalb der Gemeinde / des Bezirks zu verbessern.

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